Die Ludwigskirche
Zur Geschichte der Ludwigskirche
Die Ludwigskirche und der dazugehörige Ludwigsplatz in Alt-Saarbrücken sind in mehrfacher Hinsicht einzigartig. Hier vereinigen sich barockes Bauen, protestantische Kirchenbautheorie, ein ausgeklügeltes Maßwerksystem,
zeit- und kunstgeschichtliche Aussagen in der "Place Royale"-Invention und handwerkliches Können, so daß die Ludwigskirche zu den bedeutendsten Bau-
werken der Evangelischen Kirche im In- und Ausland zählt. Der gesamte Platz
wurde von der Gesamtanlage bis hin zum kleinsten Detail vom fürstlichen Generalbaudirektor und Ingenieur Friedrich Joachim STENGEL (1693 - 1787) entworfen und in den Jahren 1762 -1775 gebaut. Urheber von Platz und Kirche
ist Fürst Wilhelm Heinrich (1718 -1768) nach dessen Tod der un-vollendete Bau wegen Geldknappheit und hoher Verschuldung eingestellt wurde, bis sein Sohn
und Nachfolger Fürst Ludwig (1745 - 1794) im Jahre 1775 die Vollendung und den Innenausbau betreiben konnte.
Am 25. August des Jahres 1775 wurde die Kirche am "Ludwigstage" eingeweiht
und die "neue Kirche" nach dem Fürsten "Ludwigskirche" genannt, wohingegen
der Platz nach dem Vater weiterhin der "Wilhelmsplatz" war. Die Kirche mit kreuzförmigem Grundriß ist eine "Breitsaal-" oder "Querhauskirche" mit je einer Empore in den vier Kreuzarmen. Die Emporen werden von Karyatiden mit eigener Symbolaussage getragen. Der Sarkophag-Altar erzählt von Jesu Leiden und
Sterben, während sich an der Kanzel Verkündigungselemente für Ostern, Auferstehung und Pfingsten, sowie für Bußpredigt, Schriftgebundenheit und Nachfolge inden.
Der auf dem Kanzeldach schwebende Engel erzählt das "Evangelium", die gute Nachricht von der Geburt des Heilandes und der Liebe Gottes an den Menschen. Über den Eingängen sind begründet auch in der Place Royale-Invention die Insignien des erbauenden weltlichen Herrschers, des Fürsten Wilhelm Heinrich zu sehen, sowie jeweils unmittelbar über der Tür eine Inschriftentafel, bzw. zwei Bildreliefs mit eigener bedeutsamer theologischer Aussage (Beständigkeit des Wortes Gottes; Weltgericht).
Die Qualität der Arbeiten ist überragend und kann berechtigt als Höhepunkt barocken Bauens verstanden werden. Ebenso die Gesamtanlage des Platzes, mit ehedem zwei städtebaulichen Achsen, die sich in der Mitte der Kirche und des Quadrums in Höhe der "gultenen Sonne und
des Auges Gottes" treffen. Eine davon ist heute noch in Teilstücken erkennbar und wird durch
die Wilhelm Heinrich Straße hinweg zur alten Evangelischen Kirche in St.Johann geschlagen und
durch den großen Querriegel-bau im Westen des Platzes (ehemals Armen-, Zucht-, Siechen- und Waisenhaus) abgeschlossen.
Die zweite Achse fand ihren Abschluß durch das Haus über quadratischem Grundriß (Palais Döben), umgeben von zwei Torbögen, auf denen die Sinnbildfiguren für die vier Jahreszeiten standen.
Die Achse selbst ging durch die Ludwigskirche über die heutige Staatskanzlei durch eine Prachtallee bis zum kleinen Lustschloß und der Parkanlage auf dem Ludwigs- berg. Nach Stengels Wunsch sollten außer dem Palais, acht weitere Häuser, von denen nur drei gebaut wurden, den Platz ab- grenzen. Desweiteren umgeben vier Palais die Ludwigskirche. Die Dachgrate der Häuser und der Kirche und die heutigen schwarzen schmiedeeisernen Geländer der Palais waren in der Fürstenzeit vergoldet und wurden in der Französischen Revolution zum Teil entfernt.
Die Kirche wurde am 5. Oktober 1944 bis auf die Mauern zerstört.
Das was man heute sieht, ist das Ergebnis einer schon mehr als fünf Jahrzehnte währenden, aber immer noch nicht abgeschlossenen Restaurierung mit dem Ziel der Wiederherstellung im Sinne der Erbauer.